Das Missverständnis
“Mit KI lösen wir das Problem.” Dieser Satz fällt gerne, wenn es um Datenprobleme geht. Die Hoffnung: Ein intelligentes System, das aus dem Chaos Ordnung macht.
Die Realität ist ernüchternd: Laut McKinsey State of AI 2025 nutzen 88% der Unternehmen AI, aber nur 6% erzielen signifikante Erträge (>5% EBIT). Zwei Drittel stecken noch in der Pilot-Phase. Ein Großteil scheitert an Softfacts wie Mitarbeiter-Widerstand oder fehlender Management-Unterstützung. Nach meiner Erfahrung ist aber auch die mangelnde Daten- oder Prozess-Qualität ein wesentliches Erfolgskriterium: Top-Performer fokussieren auf Dateninfrastruktur vor KI-Modellen.
TDWI-Analysen zeigen: Strukturierte Daten liefern ermöglichen schnellere Entwicklung und niedrigere Kosten als unstrukturierte AI-Ansätze.
Mein Schluss: 70-80% des Business Value kommen aus Struktur und Regeln - nicht aus KI.
Die 5 Stufen bis zum Fundament
Stufe 1: Unstrukturierte Quellen (0% Business Value)
PDF-Spezifikationen stapeln sich auf SharePoint. Wer welche Version nutzt, weiß niemand. Keine Verbindungen, manuelle Suche, Wissen in Köpfen.
Stufe 2: Embeddings/RAG (10-20% Business Value)
Volltextsuche, Tags, erste Metadaten. “Zeige alle Bauteile mit Temperaturanforderung >85°C.” Aber: keine Beziehungen zwischen Objekten.
Stufe 3: Ontologie + Graph (30-40% Business Value)
Beziehungen zwischen Objekten, Supplier-Links, Impact-Analysen. “Welche Tier-2-Lieferanten sind von Chip-Engpass betroffen?”
Tech: Neo4j, PuppyGraph
Stufe 4: Logische Regeln (50-60% Business Value)
Geschäftsregeln als ausführbare Validierung. “Warnung: Bauteil X nicht freigegeben für Temperaturbereich Y.” 100% deterministisch, keine Black Box.
Tech: SHACL, Datalog
Stufe 5: Quantifizierbare Scores (70-80% Business Value) ★
Objektive Metriken statt Bauchgefühl. “Variante A: 78 Punkte, Variante B: 62 Punkte - Empfehlung klar.” Der “100%-Nullpunkt” für effizienten KI-Einsatz.
Tech: TigerGraph Vector-Scoring, I-Score/K-Score
Der Palantir-Beweis
Palantir (Foundry/Gotham/AIP) - bewertet mit über $50 Mrd. - operiert genau in diesem Bereich: Stufe 3-7. Ihr Erfolgsrezept:
- Ontology-Driven AI: Daten als semantisches Modell. LLMs können diese Ontologie mit natürlicher Sprache abfragen.
- AIP Logic: No-Code-Tool für Regeln und quantifizierbare Scores. 100% deterministisch.
- AIP Assist: LLM-Interface mit Guardrails gegen Halluzinationen.
Der entscheidende Punkt: LLM-Anteil im Betrieb nur 20-40%. 90% der Effizienz kommen aus Ontologie + Regeln. LLMs sind Interface, nicht Fundament.
Drei Vorteile strukturierter Systeme
Reproduzierbarkeit: Gleiche Eingaben = gleiche Ergebnisse. Fundamental für Audits.
Nachvollziehbarkeit: Jeder Schritt transparent. Pflicht für MDR, ISO 26262, A-SPICE.
Planbare Kosten: Fixe Infrastrukturkosten statt laufende API-Gebühren - und ein Bruchteil des CO₂-Footprints.
Wann KI sinnvoll ist
KI hat ihren Platz - aber als Werkzeug, nicht als Fundament:
- In der Entwicklungsphase: Muster erkennen, Prototypen bauen
- Als Interface: Natürlichsprachliche Abfragen auf strukturierten Daten
- Für Klassifikation: Ähnlichkeiten finden, Kategorien vorschlagen
Im laufenden Betrieb sollten kritische Entscheidungen auf deterministischen Regeln basieren.
Mehr Details: Struktur vor KI - die vollständige Analyse
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